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GALERIEN
1946-1957
1958-1964
1965-1983
1985-1989
1990-1994

Tafelbild, Spätwerk

In den Staffeleibildern der Nachkriegszeit, die der Öffentlichkeit kaum bekannt sind, schafft Eisenmenger eine durchgeistigte Kunst, die von Freude an Experiment und Farbe zeugt. Das Hauptthema ist wieder die Begegnung von Menschen bzw. die Darstellung von Emotionen. Für diese Entwicklung waren der Gesinnung nach vor allem die Künstler des Symbolismus maßgebend. Der Ausführung nach ist diese Periode von Piero della Francesca und der byzantinischen Kunst beeinflußt, wobei die Parallelen im betonten Vertikalismus, in der geringen Bewegtheit der Figuren – fast statisch – und in den geschlossen wirkenden Umrißlinien der Körper offenkundig werden.

A. P. Gütersloh schreibt in seiner Abhandlung "Moderne Kunst – Versöhnliches und Boshaftes zum Streit der Richtungen", daß "…Eisenmenger, der die Fülle seiner korrekten Modellerfahrungen diesmal ins Sieb des Dekorativen schüttelt, mit dem paradoxen Erfolg, daß das, was durch die kleinen Löcher fällt, das Große ist. Anders gesagt: Stil beziehungsweise Monumentalität entsteht, wenn ein Rest des Ganzen genügt, das Ganze zu beschwören…". Damit verweist Gütersloh mit wenigen Worten auf die neuen Wege, die sich im Schaffen R. H. Eisenmengers abzeichnen. Die Beziehung zur Künstlergruppe des Symbolismus ist im Ausdruck von imaginären Visionen zu deuten. Die symboltragenden Elemente sind hiebei nicht nur die Figuren in ihren statischen Kompositionen, sondern es wird auch häufig die Landschaft in diese Atmosphäre, dem Stellenwert ihrer Bedeutung nach, miteinbezogen.

Die Werke dieser Zeit zeichnen sich durch ihren Symbolgehalt aus, so z.B. in "Präludium", das dem Gang ins Leben gewidmet ist. Die Haltung, liebevolle Zuneigung, die Gestik der Hände sind sprechende Elemente, die für das gesamte Œuvre nach dem Weltkrieg charakteristisch sind. Desgleichen die Engelsdarstellungen als Anspielungen auf die Künstler der Renaissance, die symbolistischen Darstellungen des auslaufenden 19. Jahrhunderts, die Darstellung übersinnlicher Mächte. Die Engel Eisenmengers stellen "Seelen" dar, die in seiner Gedankenwelt den Menschen begleiten und beschützen. Bilder wie "Schlafender Engel" sind auch ein beredtes Beispiel für den diesen Werken immanenten Mystizismus.

In der Folge tritt auch immer mehr das religiöse Element ins Blickfeld, wobei insbesonders in "Christus und die Schmetterlinge" das Passionsthema neu formuliert wird. Wie auch in seiner "Verkündigung" eine neue ikonographische Darstellung eines tradierten Themas vorliegt. Gerade in diesem tief religiösen Werk gelingt R. H. Eisenmenger der Beweis, daß mit neuentwickelten Symbolen zum neuzeitlich geformten, jedoch im Kern alten religiösen Werk vorgedrungen werden kann.

Als Synthese dieser Religiosität und den dennoch latent existierenden Zweifeln steht schließlich in "Der Rufer" ("Der Letzte", "Moses") der einzige remanente Mensch mit zerfurchtem, fahlen Antlitz, von Schrecken gezeichnet und hält in abwehrender Gestik Zwiesprache mit dem Herrn. Eisenmenger zeigt damit die Konfrontation zwischen weltlicher Destruktionsmaschinerie und der Symbolik der Bibel. Die überaus expressive Farbsprache, der Einsatz von Komplementärkontrasten, die einfache, monolithische Figur, die weit über den Horizont ragt, zeugen von einer Intensität, wie sie nur ein Künstler, der immer wieder von diesem Thema emotionell aufgewühlt wurde, gestalten kann.