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GALERIEN
1948-1954
1954-1975

Architekturgebundenes Monumentalwerk

Ein Hauptwerk ist der 170 m2 große Eiserne Vorhang der Wiener Staatsoper. Basis ist Glucks Oper Orpheus und Eurydike, in der man den Beginn der klassischen Opernreform sieht, und die, auch der Intention nach, dem Wesen Eiseninengers entspricht. "In dem Schicksal des Sängers, der durch Göttergunst seine tote Gemahlin ins Leben zurückführen darf, sie aber durch Ungeduld wieder verliert, ist ewige menschliche Tragik enthalten." (Eisenmenger). R. H. Eisenmenger strebte mit diesem Werk nicht ein repräsentatives, unabhängiges Kunstwerk an, sondern subsummierte das Vorhangbild dem Innenraum der Oper und schuf somit ein Werk, das dem Betrachter die notwendige Stimmung gibt, innere Einstellung auf das folgende Schauspiel ermöglicht und den Alltag in der Gedankenwelt zurücktreten läßt.

Eines der Hauptinteressen galt seit jeher der Tapisserie, wobei mit jenen 13 im sogenannten "Gobelinsaal" der Wiener Staatsoper der Höhepunkt erreicht wird. R. H. Eisenmenger nimmt in dieser Kunstgattung, zu deren Revitalisierung er entscheidend beigetragen hat, eine wesentliche Position im In- und Ausland ein. Tapisserien nach seinen Entwürfen finden sich u.a. im Unileverhaus Rotterdam oder in der Türkei. Eisenmenger nimmt an der Biennale in Lausanne 1965 mit dem Wandteppich "Vogelflug" teil. Die Beschäftigung mit Tapisserieentwürfen geht bis zur Akademiezeit zurück. Hier entstand auch der Tageszeitenwandteppichentwurf, der entscheidend zum Erhalt des Rompreises beigetragen hatte.

1951 erhält der Künstler den Auftrag, für das Opernhaus einen Zyklus von 13 Tapisserien zu entwerfen. Es ist dies die größte zusammenhängende Folge von Bildtapisserien, die jemals in Österreich realisiert wurde, und an der die Manufaktur sechs Jahre gearbeitet hat.

Die ersten Arbeiten zu den Staatsopemtapisserien zeigen einen Phantasie-Wald mit teilweise abstrakten Formen, in dem die Gestalten der Zauberflöte, Papageno mit Papagena, Tamino und Tamina, die Königin der Nacht und die leuchtende Sonne als Sarastro, beheimatet sind. In der Gestaltung des Figuralen findet der Künstler eine märchenhaft-stilisierte Diktion. Der geheimnisvolle Charakter der Königin der Nacht wird durch reich angewandte Symboldarstellungen hervorgehoben. Ihre Tochter Pamina dagegen ist typisch menschlich dargestellt. Die übrigen finden sich beim Gang durch den märchenhaft gestalteten Wald: Papagena im bunten Federkleid, Papageno zusätzlich mit Vogelkäfig und Panflöte, Tamino am Weg zu dem symbolhaft als Sonne dargestellten Sarastro. Strukturbildendes Element sind durchwegs die monumental gehaltenen Baumstämme. Verhaltene Farben, mit großer Behutsamkeit gewählt, weisen als Dominanz blaugrün, gelb, braun, beige und rot auf. Die Durchstrukturierung der Fläche mit subtilstem Blattwerk und Vögeln in zartesten Farbnuancen geben diesen Tapisserien ihre zauberhafte Prägung, den Szenen den märchenhaften Charakter, der die Stimmung der Oper hervorragend wiedergibt. Sie regredieren auf romantische Werke des Künstlers, wie "Bildnis meines Sohnes" (1939). Von einigen figuralen Szenen fertigte der Künstler originalgroße Kartons, um dem Kartonier die Arbeit zu erleichtern. Leider nicht zur Ausführung kamen die vorgesehenen Fenstervorhänge "Der Festzug des Sarastro", die dem Raum jenes atmosphärische Licht gegeben hätten, das zur Abrundung der Betrachtungsimpression erforderlich gewesen wäre.