Monumentalwerk

Monumentalwerk

Architekturgebunden

Ein Hauptwerk ist der 170 m2 große Eis­erne Vorhang der Wiener Staat­sop­er. Basis ist Glucks Oper Orpheus und Eury­dike, in der man den Beginn der klas­sis­chen Opern­re­form sieht, und die, auch der Inten­tion nach, dem Wesen Eis­eni­nengers entspricht. “In dem Schick­sal des Sängers, der durch Göt­ter­gun­st seine tote Gemahlin ins Leben zurück­führen darf, sie aber durch Ungeduld wieder ver­liert, ist ewige men­schliche Tragik enthal­ten.” (Eisen­menger). R. H. Eisen­menger strebte mit diesem Werk nicht ein repräsen­ta­tives, unab­hängiges Kunst­werk an, son­dern sub­sum­mierte das Vorhang­bild dem Innen­raum der Oper und schuf somit ein Werk, das dem Betra­chter die notwendi­ge Stim­mung gibt, innere Ein­stel­lung auf das fol­gende Schaus­piel ermöglicht und den All­t­ag in der Gedanken­welt zurück­treten läßt.

Eines der Haupt­in­ter­essen galt seit jeher der Tapis­serie, wobei mit jenen 13 im soge­nan­nten “Gob­elin­saal” der Wiener Staat­sop­er der Höhep­unkt erre­icht wird. R. H. Eisen­menger nimmt in dieser Kun­st­gat­tung, zu deren Revi­tal­isierung er entschei­dend beige­tra­gen hat, eine wesentliche Posi­tion im In- und Aus­land ein. Tapis­se­rien nach seinen Entwür­fen find­en sich u.a. im Unilever­haus Rot­ter­dam oder in der Türkei. Eisen­menger nimmt an der Bien­nale in Lau­sanne 1965 mit dem Wandtep­pich “Vogelflug” teil. Die Beschäf­ti­gung mit Tapis­serieen­twür­fen geht bis zur Akademiezeit zurück. Hier ent­stand auch der Tageszeit­en­wandtep­pichen­twurf, der entschei­dend zum Erhalt des Rompreis­es beige­tra­gen hat­te.

1951 erhält der Kün­stler den Auf­trag, für das Opern­haus einen Zyk­lus von 13 Tapis­se­rien zu entwer­fen. Es ist dies die größte zusam­men­hän­gende Folge von Bild­tapis­se­rien, die jemals in Öster­re­ich real­isiert wurde, und an der die Man­u­fak­tur sechs Jahre gear­beit­et hat.

Die ersten Arbeit­en zu den Staat­sopem­tapis­se­rien zeigen einen Phan­tasie-Wald mit teil­weise abstrak­ten For­men, in dem die Gestal­ten der Zauber­flöte, Papageno mit Papa­ge­na, Tamino und Tam­i­na, die Köni­gin der Nacht und die leuch­t­ende Sonne als Saras­tro, behei­matet sind. In der Gestal­tung des Fig­u­ralen find­et der Kün­stler eine märchen­haft-stil­isierte Dik­tion. Der geheimnisvolle Charak­ter der Köni­gin der Nacht wird durch reich ange­wandte Sym­bol­darstel­lun­gen her­vorge­hoben. Ihre Tochter Pam­i­na dage­gen ist typ­isch men­schlich dargestellt. Die übri­gen find­en sich beim Gang durch den märchen­haft gestal­teten Wald: Papa­ge­na im bun­ten Fed­erkleid, Papageno zusät­zlich mit Vogelkä­fig und Pan­flöte, Tamino am Weg zu dem sym­bol­haft als Sonne dargestell­ten Saras­tro. Struk­tur­bilden­des Ele­ment sind durch­wegs die mon­u­men­tal gehal­te­nen Baum­stämme. Ver­hal­tene Far­ben, mit großer Behut­samkeit gewählt, weisen als Dom­i­nanz blau­grün, gelb, braun, beige und rot auf. Die Durch­struk­turierung der Fläche mit sub­til­stem Blat­twerk und Vögeln in zartesten Farb­nu­an­cen geben diesen Tapis­se­rien ihre zauber­hafte Prä­gung, den Szenen den märchen­haften Charak­ter, der die Stim­mung der Oper her­vor­ra­gend wiedergibt. Sie regredieren auf roman­tis­che Werke des Kün­stlers, wie “Bild­nis meines Sohnes” (1939). Von eini­gen fig­u­ralen Szenen fer­tigte der Kün­stler orig­i­nal­große Kar­tons, um dem Kar­tonier die Arbeit zu erle­ichtern. Lei­der nicht zur Aus­führung kamen die vorge­se­henen Fen­ster­vorhänge “Der Festzug des Saras­tro”, die dem Raum jenes atmo­sphärische Licht gegeben hät­ten, das zur Abrun­dung der Betra­ch­tungsim­pres­sion erforder­lich gewe­sen wäre.